Naturnahe Gärten

Innerhalb der Kampagne Naturnah Gärtnern – Für Mensch, Tier & Klima, haben wir bereits über die Kriterien für naturnahe Gärten diskutiert. Das Ergebnis sind 6 sogenannte Handlungsfelder, die einen naturnahen Garten beschreiben und charakterisieren. Einen Überblick zu den Handlungsfeldern erhalten Sie hier:

Was ist ein naturnaher Garten und warum ist er wichtig?

Ein naturnaher Garten beschreibt einen Garten, in dem Pflanzen, Tiere und Menschen gleichermaßen Lebensraum und Nahrung finden können. Nach dem Vorbild der Natur, werden heimische, also standort- und klimaangepasste Arten eingesetzt. Dabei gilt: Je vielfältiger das Angebot, desto vielfältiger die Besucher. Natürliche Kreislaufprozesse werden gefördert und intakt gehalten, daher gehören Gemüsebeete, Obstbäume, Beerensträucher, Komposthaufen und die Nutzung des Regenwassers ebenso zu Elementen des naturnahen Gartens. Es werden in erster Linie natürliche, regionale und wenn möglich recyclete Materialien verwendet. Hauptmerkmale des Naturnahen Gartens sind: auf Pestizide und Torf wird verzichtet. Weiterhin werden möglichst organische Dünger verwendet. Da mittlerweile viele Gartenböden mit Nährstoffen aus Düngemitteln überversorgt sind, werden viele der nicht von den Pflanzen benötigten Nährstoffe ins Grundwasser ausgewaschen. Deswegen sollte man vorzüglich nur organische Dünger verwenden, aber diese auch im entsprechenden Maße.

Taubenschwänzchen; Lavendel

Der naturnahe Garten in der Stadt

Naturnahe Gärten bilden nur kleine Nischen in unserer heutigen bebauten Umwelt, aber sie sind essentiell für die Erhaltung der heimischen Artenvielfalt und tragen gleichzeitig zum Klimaschutz bei. Die rund 17 Millionen Gärten in Deutschland entsprechen laut dem NABU etwa der Fläche aller deutschen Naturschutzgebiete zusammen. Aber Privatgärten sind nicht nur flächenmäßig sehr wichtig, sondern vor allem auch wegen ihrer Lage in der Stadt. Durch sie ist es möglich ein Stück Natur in die Städte zurückzubringen, Gärten fungieren also Trittsteinbiotope und ergänzen den Biotopverbund. Durch die Bepflanzung, aber auch durch den neu gebildeten Humus, wird CO2 gebunden. Die Grünflächen beeinflussen außerdem durch die natürliche Kühlung das Stadtklima positiv  – im Gegensatz zu Steingärten.

Der Mensch und sein Garten

In einem naturnahen Garten versuchen wir, alle gärtnerischen Maßnahmen mit den Naturgesetzen in Einklang zu bringen. Dabei wird darauf geachtet nicht alles wild durcheinander wuchern zu lassen.  Denn naturnahe Gärten sind kein Chaos, sondern können ästhetisch ein Genuss sein. Der Garten soll nicht seine Funktion als Erholungsort verlieren, sondern vielmehr eine Symbiose eingehen. Denn in der heutigen Zeit, in der mehr und mehr das Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung steigt, kann ein naturnaher Garten dazu beitragen, Stress abzubauen und mal abseits der schnelllebigen Arbeitswelt in eine ganz andere Welt einzutauchen und aufmerksam das rege Treiben der im Garten lebenden Tiere zu beobachten.

Naturnah; Garten

Durch den richtigen Einsatz verschiedener heimischer Pflanzenarten und unterschiedlich ausgeprägter Gartenlandschaft (z.B. Wasserstellen, Trockenmauer, etc.), erhalten wir eine große Tier- und Pflanzenvielfalt. So wird der naturnahe Garten nicht nur zu einem Refugium für Pflanzen und Tiere, sondern auch für den Menschen. Im Gegensatz zur Natur müssen sich die meisten Tiere auf einem Golfplatz beispielsweise wie in einer Wüste fühlen, weit und breit kein einziges blühendes Pflänzchen. Unsere heimischen Tierarten sind optimal an ihren Lebensraum angepasst und daher ist jede Art auf bestimmte Gegebenheiten oder heimische Pflanzen spezialisiert. Dementsprechend ist es nur logisch, dass Tierarten wegfallen, wenn ihnen die Lebensgrundlage entzogen wird. Das ist auch das Problem, bei dem Anpflanzen von exotischen Arten. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Sommerflieder (mittlerweile eingebürgerter Neophyt), der gerne von Schmetterlingen besucht wird. Allerdings bietet er keinerlei Nahrung für die Schmetterlingsraupen. Für viele Falterarten ist die – bei vielen Menschen unbeliebte – Brennnessel lebensnotwendig. Also gibt es ohne Brennnesseln keine Raupen und damit ist auch das Nahrungsangebot vieler Vögel beschränkt.


Damit können wir also festhalten: Wer heimische Wildpflanzen sät oder pflanzt, wird Tiere ernten. In Privatgärten und Grünanlagen können wir dazu beitragen. Von jeder Wildpflanze sind im Schnitt zehn Tierarten abhängig. Es werden also unüberschaubar viele Tiere kommen. Aber vergessen Sie bitte nicht: Naturnahe Gärten brauchen Zeit, also lehnen Sie sich zurück und genießen Sie den Weg - denn beim naturnahen Gärtnern gibt es kein endgültiges Ziel. Es ist ein Prozess, der mit Veränderung und Dynamik verbunden ist, wie das Leben selbst.
Also gehen Sie es an, wie eine Expertin vom Naturgarten e.V. es zusammenfasst,  frei nach dem Motto „Zulassen, Zeit lassen, weglassen“.