Stadtbaumeignung im Klimawandel

Stadtbäume sind einer Vielzahl von Stressfaktoren ausgesetzt. © Friederike Stoll
Stadtbäume sind einer Vielzahl von Stressfaktoren ausgesetzt.

Steigende Temperaturen und eine Zunahme von Witterungsextremen in Folge des Klimawandels stellen Kommunen und ihre Stadtbäume vor besondere Herausforderungen. Zunehmend mehr Baumarten, die seit langer Zeit unser Stadtbild prägen, sind die Spuren des Klimawandels deutlich anzumerken. So stellen Trockenstress und eine höhere Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlinge keine Seltenheit mehr da. Für welche Standorte die altbekannten Baumarten zukünftig dennoch in Frage kommen und welche Alternativen es gibt, wird in diesem Teilprojekt untersucht. Ziel ist es, ein Online-Tool für Kommunen zu entwickeln, das als Entscheidungsgrundlage für eine standort- und klimaspezifische Stadtbaumartenwahl dient. Eine Stadtbaumartenliste bestehend aus ca. 30 Arten, soll Kommunen die Auswahl bei der Suche nach passenden Baumarten erleichtern.

 

Um den unterschiedlichen Anforderungen, die an Stadtbäume gestellt werden, gerecht zu werden, wird ein multikriterielles Verfahren angewendet. So werden für die Eignungsbeurteilung der Stadtbäume neben klimatischen Aspekten weitere für Städte relevante Kriterien betrachtet – wie etwa das Allergiepotenzial oder die Toleranz gegenüber Streusalz. Zur Entwicklung dieses Entscheidungstools wird auf bereits existierende Werkzeuge zur Eignung verschiedener Baumarten für die Verwendung im städtischen Bereich zurückgegriffen. Dazu zählen die Klima-Arten-Matrix (KLAM), die darauf aufbauende citree-Planungsdatenbank der TU Dresden, sowie die Straßenbaumliste der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz. Zusätzlich wird eine neue, eigene Literaturstudie besonders im Hinblick auf Ökosystemleistungen durchgeführt und ergänzt. Zudem fließen die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus GrüneLunge 1.0. ein. So wurden im Rahmen des Projekts städtische Bäume in Karlsruhe hinsichtlich ihrer Ökosystemleistungen und ihrer Wirkung auf die Humangesundheit untersucht. Außerdem konnten wir das Wachstumspotential verschiedener Baumarten in Abhängigkeit von Standortbedingungen und extremen Wetterereignissen bestimmen. Um kommunenindividuelle Ansprüche zu berücksichtigen, werden die einzelnen Kriterien mit Hilfe von Testkommunen entsprechend ihrer Bedeutung gewichtet und zudem Szenarien erstellt, die regionale Besonderheiten oder individuelle Anforderungen bei der Baumartenwahl berücksichtigen. Solche Priorisierungen, die auch als Präferenzartikulation bezeichnet werden, können etwa Dürretoleranz, Schattenwurf, Bewässerung oder auch die Humangesundheit sein. Essentiell für die Erstellung des Planungstools ist außerdem eine enge Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Stadtbäume der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz. Das Ergebnis des Teilprojekts ist ein um einige Kriterien erweitertes und um methodische Aspekte weiterentwickeltes Tool, das die komplexe Entscheidungssituation der Baumartenwahl im städtischen Bereich unter Klimawandel unterstützt.

Foto: Friederike Stoll/FVA