Arbeitspaket 2: Dendrochronologie und Dendrochemie

Ein tiefer Blick in unsere Stadtbäume

Beprobung einer Platane in Rheinstetten.
Beprobung einer Platane in Rheinstetten.

Welche Baumarten reagieren besonders empfindlich auf die Folgen von Luftverschmutzung und Klimawandel (Hitze, Dürre)? Und welche Baumarten sind besonders widerstandsfähig?


Ein Blick ins Innere der Stadtbäume soll Aufschluss über diese Fragen geben: In diesem Teilprojekt entnehmen wir ausgewählten Bäumen Bohrkerne. Dafür bohren wir mit speziellen Bohrern horizontal von der Borke bis zum Baummittelpunkt. Diese Bohrkerne sind etwa bleistiftdick und liefern einen Querschnitt durch den Baum. Auf den Bohrkernen kann man wie bei einem gefällten Baum die Jahresringe erkennen. Der Baum kann jedoch weiterleben.
Die Jahresringe liefern ein Archiv aus dem man nicht nur das Alter des Baumes ablesen kann. Die Breite der Ringe zeigt, wie gut der Baum im jeweiligen Jahr gewachsen ist. Ein breiter Ring deutet auf günstige Umweltbedingungen hin, ein schmaler Ring zeigt Störungen im Wachstum, zum Beispiel durch extreme Wetterereignisse (Dürre, Hitze, …) oder Umweltbelastungen (Abgase, Feinstaub, …). Mit Hilfe von Wetter- und Klimaaufzeichnungen können wir anhand der Baumringe vor, während und nach extremen Klimaereignissen (wie zum Beispiel dem Trockenjahr 2003) erkennen, wie gut sich der individuelle Baum davon erholt hat – wie widerstandsfähig bzw. empfindlich er also ist. Von den untersuchten, individuellen Bäumen können wir dann auf die Empfindlichkeit bzw. Widerstandsfähigkeit der verschiedenen Stadtbaumarten schließen.


Wir werden aber noch tiefer in die einzelnen Jahresringe blicken und bis auf die atomare Ebene vordringen. Das Archiv der Jahresringe konserviert auch chemische Eigenschaften eines Baumes – so auch das Verhältnis von stabilen Isotopen. Das Isotopenverhältnis ist auch abhängig von Umweltbedingungen wie Wasserverfügbarkeit, Hitze, Stress, etc. Die Bäume haben eine Art isotopischen Fingerabdruck, den sie für jedes Jahr neu in einem Jahresring archivieren und dessen Muster Rückschlüsse auf die damaligen Umwelteinflüsse zulassen. Wir werden die Isotopenverhältnisse in den einzelnen Jahresringen untersuchen. Zusammen mit den oben beschriebenen dendrochronologischen Untersuchungen werden wir so den vergangenen Stress durch Klima und Umweltbelastung und die Widerstands- und Erholungsfähigkeit der Bäume beleuchten. Mit dieser wissenschaftlichen Grundlage können wir Städten und Kommunen Empfehlungen aussprechen, welche Baumarten zukünftig mit Blick auf steigende Umweltbelastungen in unseren Städten gepflanzt werden sollen, um den Menschen weiterhin die zahlreichen positiven Effekte von Stadtbäumen zur Verfügung zu stellen.